Mein Zimmer, nicht Deins!

Jeder in meinem Alter hat ein eigenes Zimmer, ich auch – und, wie in jedem Zimmer eines Teenagers sieht es dort nicht immer klinisch sauber aus. Mich stört das meist eher weniger  – und wenn es doch einmal soweit ist, dann räume ich eben auf.
Jeder, der Kinder hat, weiß, wie selten das der Fall ist, und ich schätze, die meisten Eltern stören sich – aus welchem Grund auch immer – daran, sobald sie das Zimmer betreten und wissen, wie es dort aussieht.

Ich kann mir das nicht erklären. Was nervt es meine Mutter, wenn in meinem Zimmer zur Zeit Unordnung herrscht? Zumal ich nicht den Durchschnittszustand ihres Schreibtisches und des Fußraumes darunter zur Sprache bringen will.Aber sie schreit natürlich herum: “Wie es hier schon wieder aussieht. RÄUM  AUF!”
Wozu?

Ich hab in nächster Zeit keinen Besuch, ich bin alleiniger Bewohner meines Zimmers, und da ich eh zu faul bin, meine Sachen abends wieder fein säuberlich über den Stuhl zu hängen, sieht es nach 24 Stunden eh wieder so aus wie vorher.
Und für die 24 Stunden, die es dann ordentlich ist, ist mir der Aufwand deutlich zu hoch.

Dann gibt es solche, die sagen einem : “Wenn es schon mal so schön ordentlich ist, dann halt das doch auch mal durch, dann ist es in deinem Zimmer viel schöner und du fühlst dich dort wohler.”

Haha. Ich fühle mich dort keineswegs wohler, wenn es ordentlicher ist. Sollte ich, wenn ich etwas gemacht habe, oder wenn ich mich zur Nachtruhe umgezogen hab, den inneren Zwang haben, das wieder aufzuräumen bevor ich Pause, Schluss oder das Licht aus mache, dann würde mich das viel mehr stören. Ich find’s nun einmal gemütlicher, die Sachen einfach dort zu lassen, wo sie runterfallen, morgens find ich meine Anziehsachen auf dem Boden, und nach der Schule kann ich direkt weiterzeichnen, weil ich nicht alle Stifte und die übrigen Malutensilien wieder weggepackt hab. Hätte ich statt dessen alles weggeräumt, müsste ich es jetzt wieder rauskramen. Wie blöd ist das denn!

Das alles wäre völlig anders, wenn in meinem Zimmer noch jemand außer mir wohnen würde. Und meine Ordnung oder Unordnung sich somit auf dessen Lebensqualität auswirken würde. Aber da mein Zimmer allein Meines ist, und niemand außer mir da was drin zu suchen hat, juckt mich das nicht.

In meinem Zimmer hat das Muttertier ja – meiner Meinung nach zumindest – eigentlich nichts verloren. Ich weiß zwar, dass sie das nicht davon abhält, jeden Morgen, wenn ich weg bin, in mein Zimmer zu sehen, was ich daran merke, dass das Bett gemacht ist. Doch ich versuche auch nicht, sie davon abzuhalten, da dies sowieso nichts ändern würde. Auch wenn es mir lieber wäre, würde sie mein Zimmer in Ruhe lassen.

Ich lasse sie also weiterhin jeden Morgen in mein Zimmer latschen, dort nach dem Rechten zu sehen oder was auch immer zu tun, solange sie sich nicht in meine Ordnung oder Nichtordnung einmischt.

Denn die geht sie nichts an. Ich schnüffele ja auch nicht auf ihrem Schreibtisch oder ihren E-mails herum, ob sie auch alle hübsch gelöscht oder archiviert oder in den entsprechenden Ordnern abgelegt sind. Ich sage auch erst dann was über ihre Schreibtischordnung, wenn mich diese beim Nähen stört, weil ich ihr gegenüber sitze. Oder wenn sie sich über mein Zimmer beschwert. So als Retourkutsche quasi.

Es sei denn, sie hat irgendwas in meinem Zimmer zu suchen. Hat sie aber nicht. Und wenn es so sehr müffelt, dass es draußen noch zu riechen ist, dann seh ich ein, dass ich aufräumen muss.

Ich  bin also der Meinung: Die Ordnung meines Zimmers geht nur mich etwas an, da nur ich davon betroffen bin. Sobald jemand anders davon ebenfalls betroffen ist, seh ich ein, dass ich aufräumen muss. Vorher nicht.

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3 Gedanken zu “Mein Zimmer, nicht Deins!

  1. Sebastian schreibt:

    Zoe sieht das ähnlich wie Du, aber nur bis irgendwo ein Silberfisch drunter hervorlugt oder jemand auf irgendwelches Spielzeug getreten ist, das dann seine letzte Ruhe im Mülleimer findet, weil es nicht mehr zu gebrauchen ist. Dann ist das Geschrei groß und die Tränen kullern.

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